Die Evangelische Kapelle Darsberg

Glaubensgeschichte

Die Kapelle blieb nach ihrer Errichtung nur wenige Jahrzehnte katholisch, denn bereits 1522 wurde Neckarsteinach und damit auch Darsberg als eine der ersten Gemeinden im Umkreis unter Landschad Hans III. reformiert und lutherischen Glaubens.

Unter den katholischen Freiherren von Metternich, den Nachfolgern der Landschaden, deren letzter Nachkomme im Jahre 1653 verstarb, wurde die Kapelle 1662 zur Simultankirche für Katholiken und Protestanten. Mit dem Bau der katholischen Pfarrkirche in Neckarsteinach im Jahre 1908 wurde das Simultaneum aufgehoben.

Heute feiert die Ev. Gemeinde wöchentlich im Wechsel den Erwachsenen- und Kindergottesdienst in der neu renovierten Kapelle. Die Kath. Gemeinde feiert an den großen Festtagen hier ebenfalls Ihre Messe.
Im Winterhalbjahr treffen sich Mitglieder beider Gemeinden am Freitagabend in der Kapelle zum ökumenischen „Ruhepunkt“.
Beliebt ist die Kapelle auch bei vielen Brautpaaren aus nah und fern als Hochzeitskapelle.

Baugeschichte

Die Kapelle von Darsberg wurde zwischen 1450 und 1460 als Filialkapelle der Pfarrkirche zu Neckarsteinach erbaut und war ursprünglich dem Hl. Sebastian geweiht. Ihr Bauherr war möglicherweise Landschad Bligger XIV., Erbauer der evangelischen Kirche von Neckarsteinach und kurpfälzischer Hofmeister, oder einer seiner Vorgänger, und somit ein Nachfahr des berühmten Minnesängers Bligger II. von Steinach.

Die Kapelle war ursprünglich etwas kleiner, 1742 wurde sie an der Westseite verlängert. Aus dieser barocken Epoche stammen die Empore mit den drei Rundfenstern, die vier Rundbogenfenster an der Nord- und Südseite, die Kanzel und das Kirchengestühl.
Mitte des 20. Jahrhunderts wurde der Kircheneingang von der Nordseite auf die Südseite der Kapelle verlegt.

Die letzte Renovierung des Innenraumes fand 2006 statt. Dabei wurde das Altarretabel restauriert und die Kirche erhielt einen neuen Anstrich. Das alte Bankgestühl wurde weitgehend saniert und erhalten.

Neben der spätgotischen Holzskulptur des gekreuzigten Christus sind an der Südwand die Skulpturen des Heiligen Sebastian und des Volksheiligen Wendelin aus dem 18. Jahrhundert zu sehen.

Das eigentliche Schmuckstück der Kapelle ist jedoch ohne Zweifel der spätgotische Flügelaltar, der aus der Erbauungszeit der Kapelle stammt, also um 1450/60. Weder der Künstler, der wahrscheinlich aus dem Heidelberger Raum stammt, noch der ursprüngliche Standort des Altars ist bekannt. Möglicherweise befand er sich in der Pfarrkirche zu Neckarsteinach oder aber in der Hauskapelle der Hinterburg.

Das Retabel besteht aus einer Alltags- und einer Feiertagsseite. Außer sonntags ist es geschlossen und präsentiert auf den gemalten Flügelaußenseiten die Verkündigung an Maria durch den Erzengel Gabriel. Weiterhin sind in geschlossenem Zustand an den bemalten Seitenflügeln die Heiligen Valentin und Joachim zu sehen.

Wird der Altar zum Gottesdienst geöffnet, so erscheint die fünfteilige Feiertagsseite mit der holzgeschnitzten, fast vollrunden Figur der gekrönten Muttergottes mit Christuskind. Die Figurengruppe befindet sich in einem nischenförmigen Schrein, der mit vergoldetem Maßwerk verziert ist. Marias Gesichtszüge entsprechen noch dem gotischen Stil der «lieblichen Madonnen». In ihrer Rechten hält Maria einen Apfel als Zeichen der «Neuen Eva», die als Muttergottes die Sünde von der Welt nimmt. Das auf ihrem linken Arm sitzende Christuskind hält eine Taube als Symbol für den Heiligen Geist.
Die der Muttergottes zugewandten, auf den Flügelinnenseiten gemalten vier Heiligen sind jeweils mit einem Heiligenschein versehen, in den ihre Namen einpunziert sind. Von links sanctus nicolaus (der heilige Nikolaus), sancta katharina virgo (die heilige Katharina), sancta barbara virgo (die heilige Barbara) und sanctus sebastianus (der heilige Sebastian). Der vergoldete Hintergrund, vor dem sie stehen, symbolisiert die himmlische Sphäre, in der sie sich befinden.

(gekürzte Version eine längeren Darstellung von Frau Karen Delaplace)